Netzwerk Territorialisierungen der radikalen Rechten

Abschlussbericht erschienen

Vor wenigen Tagen ist der Abschlussbericht aus dem DFG-Netzwerk „Territorialisierungen der radikalen Rechten“ (Terra-R) erschienen, der unsere Arbeit der letzten Jahre zusammenfasst und auf den Punkt bringt. Der Bericht ist frei verfügbar bei SSOAR.

Das Forschungsnetzwerk Terra-R verfolgte das Ziel, eine raumsensible Forschungsperspektive zur radikalen Rechten zu stärken und aktuelle Debatten in der deutschsprachigen Geographie, der Rechtsextremismusforschung und im internationalen Kontext zusammenzuführen. Die Entwicklung eines Konzepts rechter Territorialisierung sollte es ermöglichen, Praktiken und Konstruktionen rechter Raumaneignung in ihrer gesellschaftlichen Komplexität, Kontextualität und Konflikthaftigkeit zu analysieren. Ziel war es, Prozesse rechter Raumproduktion, gesellschaftliche Zuschreibungen und Praktiken des Widerstands in ihren Wechselbeziehungen zu beleuchten. Der Aufbau eines wissenschaftlichen Diskussionsraums sollte dazu beitragen, die Forschung zu räumlichen Dimensionen der radikalen Rechten nachhaltig zu erweitern und neue Perspektiven für zukünftige Untersuchungen zu eröffnen. Das Konzept der Territorialisierung verbindet praxisbezogene Ansätze der lateinamerikanischen Territorio-Diskussion mit einem im angloamerikanischen Raum Verständnis von territory als Ergebnis machtvoller Abstraktionsprozesse. Damit eröffnet der Territorialisierungsansatz eine differenzierte Perspektive auf die multiskalaren Verflechtungen von rechter Raumproduktion und gesellschaftlichen Konstruktionen. Ein zentraler Beitrag der Netzwerkarbeit ist die empirisch gestützte Differenzierung von vier Dimensionen rechter Territorialisierung: performativ, affektiv, imaginativ und infrastrukturell. Dadurch werden sowohl unidirektionale Konzepte ‚rechter Raumnahme‘ als auch Verständnisse vermeintlich klar umgrenzter ‚rechter Räume‘ in Frage gestellt. Ebenso werden die gesellschaftlichen Gegenkräfte beleuchtet, die sich radikal rechter Raumproduktion entgegenstellen. Der Theorieansatz der Territorialisierung wurde durch die intensive Zusammenarbeit im Netzwerk ermöglicht. Die zehn Treffen in verschiedenen Regionen Deutschlands dienten neben der konzeptuellen Erarbeitung von Grundlagen sowie der Vorbereitung und Präsentation des Buchprojekts auch einem Austausch mit lokalen zivilgesellschaftlichen Akteuren. Zentrales Ergebnis ist ein gemeinsam geschriebenes, konzeptuell innovatives Buch, das im März 2025 beim Verlag Westfälisches Dampfboot erschienen ist. Es trägt wesentlich zur Erweiterung der Forschung zu räumlichen Dimensionen der Rechtsextremismusforschung bei und enthält darüber hinaus auch reflexive Beiträge zum kollektiven Arbeiten und zur empirischen Forschung der radikalen Rechten. Das Forschungsnetzwerk konnte darüber hinaus durch zahlreiche Vorträge, Buchpräsentationen und Medienbeiträge öffentlich wirksam werden. So wurde das Buch in zahlreichen deutschen Städten und in Zürich vorgestellt und fand breite Beachtung in Fachkreisen sowie der weiteren Öffentlichkeit. Die Netzwerkarbeit liefert wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Forschung radikal rechter Raumproduktionen, indem sie Pfade zur Analyse vielschichtiger, multiskalarer und umkämpfter Territorialisierungsprozesse aufzeigt. Zudem zeigen die Ergebnisse, dass gesellschaftliche Gegenkräfte eine zentrale Rolle bei der Herausbildung und Stabilisierung demokratischer Räume spielen. Auf methodischer Ebene hat das Netzwerk insbesondere die Potenziale kollektiven und kollaborativen Arbeitens aufgezeigt. Dabei wurde auch auf Fragen der Verantwortung, Sorge und Solidarität in der Forschung zur radikalen Rechten aufmerksam gemacht.